Altersfreigabe - rechtliche Fragen

    • Altersfreigabe - rechtliche Fragen

      Hallo,

      ich wusste nicht genau, wo ich dieses Thema posten könnte.

      Es geht um folgenden Sachverhalt. Wir haben in unserer Community festgelegt, dass Mitglieder ab 18 Jahren und Gastspieler ab 16 Jahren mitmachen dürfen. Jetzt ist es allerdings bereits 2 mal vorgekommen, dass andere Clans Mitglieder unter 16 Jahren zu unseren Events mitgebracht haben (Das wussten wir vorher nicht). Diese obligatorischen unter 16 Jährigen haben sich weder kindisch noch auffälig Jung verhalten und ihren Job getan in den Missionen. Sie haben definitv geistige Reife gezeigt. Was andere Clans für Altersregelungen haben, ist uns in dem Moment egal. Jetzt sind wir am überlegen, ob es nicht eine Idee wäre, für andere Communitys diese Regel aufzulockern und damit argumentieren, dass jede Community für Ihre Mitglieder selber verantwortlich ist und diese Altersgrenze für diese eben aufgelockert wird.

      Machen wir uns strafbar, wenn wir zulassen, dass Spieler, die unter 16 Jahre alt sind zu unseren Events zulassen? (Natürlich gilt das nur für die gesamtheit einer zu Gast anwesenden Community. Für Gastspieler würde das U16 Verbot weiterhin gelten. Ist es Sache der Eltern, ob ihr Kind ArmA Spielt oder tragen wir dort rechtlich ebenfalls eine Verantwortung und sind gezwungen. Was würdet ihr uns raten? Wie sollen wir Vorgehen?


      Mit freundlichen Grüßen

      LiquidBlaze
    • Das ist eine gute Frage...
      Grundsätzlich würde ich sagen, das die Eltern ihr Einverständnis geben müssen. Da aber in der heutigen Zeit "fast" jeder an alles ran kommt, besteht natürlich dann auch die Möglichkeit das U16/U18 ohne Erlaubnis der Eltern etwas spielen. Vor allem Online kann man das nicht richtig Nachvollziehen.
      Mein Tipp: Fragt nach und wenn ihr das Gefühl habt da stimmt was nicht einfach sagen Sorry wir müssen dich leider ausschließen.
    • diese U16 Personen dürfen nur mit vorlager einer Erlaubtnis eines der Erziehungsberechtigten dann bei euch mit spielen. und da ich denke das ihr diese nicht jedesmal wieder einhohlen wollt solltet ihr es nicht erlauben. denn ansonsten könnt ihr euch mit strafbar machen. denn das USK kennzeichen ist seit 2003 keine empfehlung mehr. jedoch hat zuvor halt auch schon ansich ein Rechtsbruch stattgefunden da sie ja anscheined an das spiel gekommen sind(entweder auf seite des verkaufenden oder auf der seite des spielers.) diese Personen sollte man ehr melden bzw die Eltern darüber informieren. denn die USK gibt es nicht umsonst...
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      Wer Rechtschreibfehler findet darf sie behalten
      ACE3 Core Developer
      CBA A3 Developer
      Developer of Dynasound, Enhance SoundScape, Immerse, Suppress and Align
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    • Die USK Altersfreigabe bezieht sich nur auf den Handel. Was Eltern ihren Kindern erlauben ist deren Sache. USK FAQ
      Ihr als Eventveranstalter verkauft ja nichts, also nicht euer Problem.
      Auch ist die Teilnahme an so einem Event nichts was man heimlich machen kann sondern die Eltern sollten das schon mitbekommen.
      Also könnt ihr als Veranstalter von einem Einverständnis der Eltern ausgehen.
    • Sorry, mir geht die Diskussion ein wenig in die falsche Richtung. Ob das nun rechtens ist einen unter 16 Jährigen mitspielen zu lassen oder ob man sich strafbar macht, sollte eigentlich keine Frage sein. Wenn ich Veranstalter eines Events bin trage ich schon rein aus persönlicher Sicht die Verantwortung, ohne dass hier der Gesetzgeber wirken muss.
      Auch wenn ich denjenigen nicht das Spiel besorge oder verkaufte, so sollte man dies auch nicht noch unterstützen, durch Zulassung an Events.

      Wir reden hier immerhin auch von einem Kriegsspiel, dass das Töten von feindlichen Kräften einschließt, auch wenn die Gewaltdarstellung eher weniger ausgeprägt ist. Denke die ArmA Community sollte unter 16 Jährige Spieler nicht noch ermuntern oder unterstützen. Auch wir tragen eine Verantwortung...


      P.S. Bei uns hat sich vor nicht mal einer Woche ein Spieler beworben, der nicht mal im Stimmbruch war. Also da frag ich mich wenn ich die Altersgrenze von 16 Jahren nicht einhalten will, wo ist dann die neue Grenze?

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Sharp ()

    • Mein Sohn ist 15. Der fickt, raucht, betrinkt sich regelmäßig und fährt heimlich mit meinem Auto. USK entlockt ihm nicht einmal ein müdes Lächeln. Sollte ich ihn anzeigen weil er USK 18 Content Spielt? Oder sollte er mich anzeigen? Zwickmühle irgendwie.
    • Saint schrieb:

      Mein Sohn ist 15. Der fickt, raucht, betrinkt sich regelmäßig und fährt heimlich mit meinem Auto. USK entlockt ihm nicht einmal ein müdes Lächeln. Sollte ich ihn anzeigen weil er USK 18 Content Spielt? Oder sollte er mich anzeigen? Zwickmühle irgendwie.
      will dir ja nicht zu nahe treten, aber ich denke das fällt unter den Stichpunkt "Erziehung" was Verantwortung beinhaltet. Das interessiert den Staat nur solange nicht bis es dritte betrifft.
    • Ich persönlich finde es gut das du nachfragste. Ich würde aber an einer anderen Stelle fragen. Nicht bei AW sondern bei der USK. Muss ja nicht verraten das ein u16 schon dabei gespielt hat. Hier bekommst du eher Erzieher Tipps und die persönliche Meinung.

      Meine einige Meinung dazu ist das NICHT die Latte runter gesetzt wird. Ich habe schon 40 Jährige erleben die mit ein ziemlich realen Mission ingame nicht klar kam und das es Flogen gabs. Gut das ist die Ausnahmen aber davon sollte es so wenig wie möglich geben.

      Ich bin ja nur selbst Leiter einer kleiner Gruppe. Alle sind mid 16 uns älter und das ist auch gut so. Öffter sprechen wir über die derzeit Weltpolitik und Kriege. Ich als ältere schau auch das ich dem jüngeren ein nach meiner Meinung gutes Politik Bild abgebe und viel erläutert und Sichtweisen besprechen. Weil bei dem viele Arma mehr ist als nur ein Spiel. Ganz Wichtig!

      Saint: Was sie oder darf ich Du sagen? Ist ja deine/ihre Sache. Rechtliche ist es verboten das er Ü18 Sachen tun und spielen. Wo aber keiner Kläger ist ist auch kein Richter. Ich würde dein Sohn nur mal das Auto "ausleihen" nicht durch gehen lassen. Ich kenne ihm aber auch nicht darum weiß ich nicht was man da alles zutrauen kann. Wenn es blöde läuft sind sie/du am Arsch.
      Grüße
      Airmean J.Weingarten
    • @Anubiswaechter hats eigentlich auf den Punkt gebracht. Ihr macht euch nicht strafbar.

      Das worüber ihr euch eher Gedanken machen müsst ist eure eigenes moralisches Empfinden. Ich mag bei mir im Clan keine unter 16 jährigen sehen und ganz persönlich find ich ist eine Altersgrenze von 18 auf nicht verkehrt. Andererseits wird bei uns keiner gezwungen mir ne Kopie vom Perso zu schicken, sondern wir sprechen miteinander und beurteilen am Verhalten einer Person deren geistiges Alter. Es gibt 14-Jährige die geistig und verhaltenstechnisch vernünftiger sind als andere 20-Jährige.

      Wie gesagt, was zählt ist was du für moralisch korrekt und vertretbar hälst..
      Die Zehn Gebote Gottes sind deshalb so klar und verständlich, weil sie ohne Mitwirkung einer Sachverständigenkommission zustande gekommen sind. - CDG.
      ---
      Orga beim
      Ordo Panthera
      Event Team Mitglied bei
      Armaworld

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    • Wir nehmen nur Leute in den Clan auf die +17 Jahre alt sind. Ansonsten darf aber jeder auf dem Server spielen, wenn er sich an die entsprechenden Regeln hält.

      Wir sind ja auch nicht in Deutschland, von daher ist die Sache mit der USK da auch etwas anders. Es geht da mit dem Alterslimit auch weniger um Spielinhalte, sondern eher um ich sage mal andere Inhalte. Unsere Mitglieder sind "erwachsen" und entsprechend wird bei uns auch gesprochen und diskutiert. Wir haben auch hier und da mal die klassischen 14 Jahre alten Sniper Kiddies. Damit haben wir kein Problem, wenn sie sich den an die Regeln halte und die meisten bekommen das übrigens auch auf die Reihe. Ebenfalls wird dann auch mal die eigene Wortwahl etwas angepasst wenn man direkt mit den kleinen unterwegs ist. Anders ist das natürlich intern, da ist es ein Clan von "Erwachsenen" für entsprechende Leute. Da kann man nicht erwarten das 50-60 Leute groß Rücksicht nehmen.

      Was Joint Operations angeht, so gucken wir das es allgemein passt und da gibt es jetzt keine feste Regel das der Clan da so handeln muss wie wir selber. In der Praxis hatten wir aber nur eine Joint Op mit einem Clan wo auch Leute dabei waren die noch unter 17 Jahren alt waren.
      Realism. Tactics. Fun.
      3commandobrigade.com/
    • Ich wurde gebeten, die Recherchen zu dem (nicht ganz neuen) Thema zu veröffentlichen, damit sich mehr Leute einen besseren Eindruck verschaffen können.

      ____
      Um zu bewerten, ob ein Online-Spiel-Angebot (Server, Community, Events, Website) aus Jugendschutzgründen unzulässig ist,
      müssen gleich mehrere Rechtsgrundlagen in Kombination herangezogen werden (wie immer, und das Folgende ist sicher unvollständig):

      - StGB (Strafgesetzbuch - gesetze-im-internet.de/stgb/)
      § 86a (Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen)
      § 130 (Volksverhetzung)
      § 131 (Gewaltdarstellung)
      § 166 (Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen)

      - JuSchG (Jugendschutzgesetz - gesetze-im-internet.de/juschg/)
      § 7 Jugendgefährdende Veranstaltungen und Betriebe
      § 12 Bildträger mit Filmen oder Spielen
      § 14 Kennzeichnung von Filmen und Film- und Spielprogrammen
      § 18 Liste jugendgefährdender Medien (für ArmA nicht erfüllt, weil USK 16)

      - JMStV (Jugendmedienschutz-Staatsvertrag, 16.10.2016 - usk.de/fileadmin/documents/Pub…_Bereich/JMStV%202016.pdf)
      § 4 Unzulässige Angebote (Achtung, trifft insbesondere auf 'Kriegsverherrlichung' zu)
      § 5 Entwicklungsbeeinträchtigende Angebote (Achtung, trifft teils auf ArmA zu, sieht die BPjM aber nicht so)
      § 7 Jugendschutzbeauftragte (Benennung mit Daten im Impressum, aber nur bei Geschäftsmäßigkeit)
      § 11 Jugenschutzprogramme (hier geht es um den 'kontrollierten Zugang', z.B. mit Hilfe von 'Jugendschutzprogrammen', wie Q-Bit usw.)
      § 12 Kennzeichnungspflicht (für ArmA-Gemeinden wohl nicht nötig, weil USK 16, freiwillig!)

      - BPjM (Bundeprüfstelle für jugendgefährdende Medien)
      Hat ArmA III NICHT auf den 'Index' gesetzt...und daher erübrigt sich die Frage nach der allgemeinem Verbreitbarkeit....
      ...und reduziert sich auf den kontrollierten Zugang für Spieler die das USK-Alter erfüllen!

      - AGBG
      Haftungsausschlussformulierung für AGB (und da verließen sie ihn...ob also Haftungsausschluss wegen Jugendschutz zulässig ist, keine Ahnung)

      _____
      Frage:
      Ist es zulässig, Spielern unter 16 Jahren, die von einer anderen Gemeinschaft mitgebracht werden, Zutritt zu einem ArmA-Event/-Server zu verschaffen?

      Nein, aber....
      Zu der konkreten Frage kann ohne richterliches Urteil (noch) nicht eindeutig Stellung genommen werden.

      ArmA ist erst für Nutzer ab 16 Jahren freigegeben (USK).
      Somit ist ein Zugang für 'unbegleitete minderjährige' Personen unter 16 Jahren unzulässig und muss vom Anbieter verhindert werden (siehe JMStV - Unzulässige Angebote).
      Zumindest in der Öffentlichkeit. Das gilt insbesondere für uneingeschränkte, frei zugängliche Angebote (Website, Public-Server), bei denen nicht kontrolliert werden kann, wer sie konsumiert.
      Die dürfen keine Inhalte zeigen, die den obigen Rechtsvorschriften unterliegen.
      In Teilen erfüllen die ArmA-Angebote (der Communities) m.E. die obigen (problematischen) Kriterien. (usk.de/fileadmin/documents/Pub…h/USK_JMStV_Kriterien.pdf)

      Die Frage, ob eine Online-Spielegemeinschaft tatsächlich 'Öffentlichkeit' darstellt, ist m.M.n. irrelevant.
      Wenn ja, dann Zugangskontrolle ab 16, wegen freier Erreichbarkeit!
      Wenn nein, dann Zugangskontrolle ab 16, wegen Schutz von Gefährdeten!

      Da es sich m.E. bei einem Gemeinschafts-Event nicht um ein öffentliches Angebot handelt, ist eine Zugangskontrolle gewährleistet,
      indem lediglich die berechtigten Mitglieder eingeladen werden (die das Alterskriterium erfüllen).
      Bringt die andere Gemeinschaft nun Spieler unter 16 Jahren mit (obwohl in deren AGB Spieler unter 16 auch ausgeschlossen werden),
      so hat diese andere Gemeinschaft m.E. diesen Spielern den Zutritt verschafft und haftet selbst.


      Fazit:
      Wohl unzulässig, schert aber keinen.
      Noch nicht!
      Niemand muss da nervös sein, denn 'wo kein Kläger, da kein Richter'.

      Sicherheitshalber kann man aber Maßnahmen ergreifen, die eine Spielgemeinde im Zweifel vor Klagen schützen (verärgerte Mutti, angefressener ehem. Server-Admin, KJM selbst?).
      Vorbeugende Maßnahmen könnten sein: eindeutige Kennzeichnung, kontrollierter Zugang, Haftungsausschluss.

      Kontrollierter Zugang kann schon bedeuten, dass man das Zutrittsalter festlegt und die Verantwortung für die Einhaltung der Regel dem Minderjährigen zuweist. (zumindest, bis jemand klagt)
      Ein 'Muttizettel' hilft im Zweifel nicht weiter, weil ein (berechtigter) Erwachsener mit elterlicher Vollmacht 'begleiten' müsste. (siehe Daddy zockt zusammen mit Sohnemann...)

      Offen bleibt, ob im Rahmen der eigenen AGB eine Haftung für den Fall ausgeschlossen werden kann,
      dass sich jemand 'trotz sorgfältiger Prüfung der zutrittsberechtigten Personen im Rahmen der zumutbaren Möglichkeiten
      vorsätzlich und unter Vortäuschung falscher Tatsachen als Minderjähriger unberechtigten Zutritt verschafft hat'.
      Hier würde ich gleichzeitig einen solchen Zusatz formulieren:
      'Insofern in Folge eines solchen Tatbestands ein Schaden für die Gemeinschaft eintritt oder dessen Eintritt zu erwarten ist,
      haftet der Verursacher für die möglichen entstehenden Kosten.'

      Es bleibt außerdem offen, inwiefern sich solche Spieleabende als Informations- und Lehrveranstaltungen beschreiben lassen,
      ohne dabei diese Hintertür offensichtlich zu nutzen. (usk.de/extramenue/login/publis…ungen/lehr-infoprogramme/)
      Wodurch sie wieder unzulässig würde.

      Es bleibt nach der Recherche der Eindruck (siehe WoW-Urteil), dass sich der Gesetzgeber eher um die kommerziellen Fragen, weniger um den Jugendschutz kümmert.
      Um tatsächlich Klarheit zu erhalten, müsste man wohl bei der KJM mal anfragen, was wiederum 'schlafende Hunde' wecken könnte.
      Aber auch wenn sich irgendwer als Kläger aufspielt, läuft es sehr wahrscheinlich auf eine Abmahnung hinaus, in der man aufgefordert wird, die Rechtsverletzung einzustellen.









      -----

      Quellen und weiterführende Informationen u.v.m.:

      Schöne knappe Erläuterung der neuen Sachlage - it-recht-kanzlei.de/jugendschu…schutz-staatsvertrag.html
      Kommission für Jugendmedienschutz - kjm-online.de/
      Website des Bundesministeriums - jugendschutz-aktiv.de/de/infor…jugendschutz-rechner.html
      Broschüre des Bundesministeriums - bmfsfj.de/blob/jump/94070/juge…laert-broschuere-data.pdf
      Kompetenzzentrum Bund+Länder - jugendschutz.net/
      Unterhaltungssoftware-Selbstkontrolle - usk.de
      Ergänzende Kriterien für JMStV - usk.de/fileadmin/documents/Pub…h/USK_JMStV_Kriterien.pdf
      EDIT:
      Zusammenfassung - kjm-online.de/themen/computerspiele/onlinespiele.html

      ____

      Ps:
      Das ist selbstverständlich keine Rechtsberatung und erhebt auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
      Ich trage meine Ansicht und meine Interpretation der Rechtsvorschriften vor.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von DorsalRegent ()

    • Einige Anmerkungen zu @DorsalRegent, da er sich offenbar Mühe gegeben hat.

      I. Allgemeines

      1. Empfehlenswert ist es, grundsätzlich sämtliche zitierte bzw. recherchierte Normen in die Kategorien (1) Privatrecht, (2) Verwaltungsrecht und (3) Strafrecht einzuordnen; denn alle drei laufen nach grundsätzlich anderen Verfahren ab, bestimmen unterschiedliche Beteiligte und, natürlich, enthalten völlig unterschiedliche Rechte und Pflichten. Selbstverständlich kann nicht verlangt werden, hier einen vollständigen Überblick zu liefern, a) da die Ausgangsfragen recht allgemein gehalten sind und die umfassende Beurteilung der Rechtslage das Forum sprengen würde, und b) selbst ein juristisches Studium nicht ausreicht, (wirklich) alle relevanten/anzuwendenden Normen aufzulisten. Die Differenzierung ist trotzdem auch für den Laien geboten, um einen besseren Überblick zu bekommen, welche Normen wie zusammenwirken.

      2. Dazu sind zunächst Normen, welche eine Rechtsfolge enthalten, aufzusuchen (hat man ein Gesetz gefunden, lohnt zunächst die Suche nach einem "Anwendungsbereich" am Beginn des Gesetzes; gibt es so etwas nicht, sollte man zunächst einmal vom Anwendungsbereich ausgehen). Im Privatrecht sind das Anspruchsgrundlagen, im Verwaltungsrecht Befugnisnormen und im Strafrecht Straftatbestände. Am Beispiel des Strafrechts (da die Ausgangsfragen in diese Richtung gehen): Zunächst ist das Inhaltsverzeichnis des Strafgesetzbuches, zumindest der Besondere Teil, zu überfliegen, ob nicht vielleicht irgendeine Überschrift verdächtig klingt. Was im StGB noch leicht fällt, ist für den Laien im Nebenstrafrecht schon schwieriger. Straftatbestände im Nebenstrafrecht findet man, soweit es welche gibt, am Ende des jeweiligen Gesetzes. Anstatt also bspw. die §§ 7, 12, 14, 18 JuSchG ohne Zusammenhang zu zitieren, sollte zunächst § 27 JuSchG zitiert werden. Daraus ergibt sich zugleich eine sehr viel stringentere Suche nach einschlägigen Normen. Diese sind sodann zu lesen und in Erfahrung zu bringen, was eigentlich verboten ist.

      3. Wenn man solche Normen liest, hier also bspw. Straftatbestände, sollte immer die ganze Norm sowie die vorherige und nachfolgende gelesen werden. Am besten überfliegt man den gesamten Titel/Abschnitt.

      4. Tauchen in den Normen immer wieder dieselben Begriffe auf, oder sind sie sehr allgemein gehalten, so lohnt sich ein Blick an den Anfang bzw. ans Ende des Gesetzes, ob es nicht gezielt Begriffsbestimmungen gibt.

      5. Sollte man eine Norm gefunden haben, wo man einen Straftatbestand bejaht hat, so lohnt sich ein Blick in den Allgemeinen Teil des Strafgesetzbuches.

      6. Wer es sich zutraut, kann dann einen Blick in die entsprechende Prozessordnung (hier bspw. StPO) werfen.

      Bis hierhin kommt man als Laie schon sehr weit. Beispielhaft:

      Nach § 27 I Nr. 1 JuSchG wird bestraft, wer entgegen § 15 Abs. 1 Nr. 1 bis 5 oder 6, jeweils auch in Verbindung mit Abs. 2, ein Trägermedium anbietet, überlässt, zugänglich macht, ausstellt, anschlägt, vorführt, einführt, ankündigt oder anpreist. Nach § 15 I Nr. 1 JuSchG dürfen Trägermedien, deren Aufnahme in die Liste jugendgefährdender Medien nach § 24 Abs. 3 Satz 1 bekannt gemacht ist, nicht einem Kind oder einer jugendlichen Person angeboten, überlassen oder sonst zugänglich gemacht werden. Fraglich ist: Was ist ein Kind bzw. eine jugendliche Person? Dazu § 1 I JuSchG lesen. Unter 16 Jährige können also sowohl Kind als auch jugendliche Person sein i.S. des JuSchG. Fraglich ist: Was ist ein Trägermedium? Dazu § 1 II JuSchG lesen. ArmA 3 wird (in aller Regel) online vertrieben. Es mangelt also an einem gegenständlichen Träger. Jedoch bestimmt § 1 II 2 JuSchG, dass dem gegenständlichen Verbreiten, Überlassen, Anbieten oder Zugänglichmachen von Trägermedien das elektronische Verbreiten, Überlassen, Anbieten oder Zugänglichmachen gleichsteht, soweit es sich nicht um Rundfunk im Sinne des § 2 des Rundfunkstaatsvertrages handelt. Da es in § 15 I Nr. 1 JuSchG heißt "... oder sonst zugänglich gemacht", ist Zugänglichmachen der übergeordnete Begriff. Man könnte also argumentieren, durch die Erlaubnis zur Teilnahme an einer Online Partie ArmA 3 würde man ArmA 3 dem Kind/Jugendlichen zugänglich machen. Nun, die Teilnahme würde aber voraussetzen, dass ArmA 3 bereits funktionsfähig installiert ist. Genau genommen macht Steam also ArmA 3 dem Kind/Jugendlichen zugänglich. (Hier kann man schon mal ins Grübeln kommen, wenn man die Praxis auf Steam mit der eigenen Online Partie vergleicht.) Darüber hinaus müsste ArmA 3 dann natürlich auch noch in der Liste jugendgefährdender Medien nach § 24 III 1 JuSchG stehen ... Nun, aber selbst wenn ArmA 3 nicht auf dieser Liste steht, kann man ja (beispielhaft wieder) mal in § 15 II JuSchG schauen, was gem. § 27 I Nr. 1 JuSchG ja auch strafbewehrt verboten ist: Nach § 15 II Nr. 3a JuSchG unterliegen den Beschränkungen des Absatzes 1, ohne dass es einer Aufnahme in die Liste und einer Bekanntmachung bedarf, schwer jugendgefährdende Trägermedien, die besonders realistische, grausame und reißerische Darstellungen selbstzweckhafter Gewalt beinhalten, die das Geschehen beherrschen. Fraglich ist hier schon, was ein schwer jugendgefährdendes Trägermedium ist ... Nun, bereits dem Wortlaut nach muss es ein "schlimmeres" Medium sein, als Medien in der Liste jugendgefährdender Trägermedien. (Auch hier kann man bereits mit gesundem Menschenverstand ins Zweifeln kommen bei ArmA 3.) Im Zweifel lohnt sich eine vereinfachte Google Suche, ob zu einem solch vagen Begriff nicht Rechtsprechung zu finden ist. Davon abgesehen könnte man argumentieren, dass ArmA 3 ja sehr realistisch sei in der Gewaltdarstellung etc. pp. Nun, das könnte vlt. auf VBS zutreffen, wo ganze Gliedmaßen wegfliegen, wenn man bspw. mit einem .50 cal wirkt. Bei ArmA 3 gibt es eine solche Darstellungstiefe bewusst nicht. Auch hinsichtlich der Grausamkeit und des Reißerischen fehlt es in ArmA 3; schon gar nicht steht dies im Mittelpunkt.

      Jedenfalls: Mit obiger Systematik kann man sämtliche Normen, die man so auffindet, selber lesen und laienhaft prüfen. Ist man der Auffassung, man würde einen gefundenen Straftatbestand bejahen, liest man den Allgemeinen Teil des StGB. Eine unscheinbare, aber wichtige Norm ist hier u.a. § 15 StGB, wonach nur vorsätzliches Handeln strafbar ist, wenn nicht das Gesetz fahrlässiges Handeln ausdrücklich mit Strafe bedroht. Der Vorsatz muss sich auf ALLE Tatbestandsmerkmale beziehen, also bei obigem Beispiel insb. das Merkmal Kind/Jugendlicher; es genügt für Vorsatz die billigende Inkaufnahme (weshalb ich u.a. eine Kenntlichmachung auf Webseite etc. bzw. eine mündliche Ansage vor der Partie, wonach keine unter 16 Jährigen teilnehmen dürften, für kontraproduktiv halte). Fehlt es am Vorsatz, bleibt nur noch Fahrlässigkeit. Man ist also besser damit beraten, lieber gar nicht erst nach dem Alter zu fragen. Davon abgesehen: Nach § 2 II JuSchG haben Personen, bei denen nach diesem Gesetz Altersgrenzen zu beachten sind, ihr Lebensalter auf Verlangen in geeigneter Weise nachzuweisen. Veranstalter und Gewerbetreibende haben in Zweifelsfällen das Lebensalter zu überprüfen. Das Alter ist in geeigneter Weise nachzuweisen. Ein z.B. extra PostIdent-Verfahren durchzuführen wäre unverhältnismäßig; davon abgesehen ist es nur auf Verlangen nachzuweisen (die Frage nach dem Alter wäre also doppelt unzweckmäßig). Im Übrigen hat man nur in Zweifelsfällen das Lebensalter zu überprüfen (wohlgemerkt: a) nur ausdrücklich für sog. Veranstalter, dieser Rechtsgedanke hier also fruchtbar gemacht, aber b) ohnehin nur dann, wenn man meint, man würde einen Straftatbestand als erfüllt ansehen). Ansonsten, wie gesagt, bleibt es bei der Fahrlässigkeit. In diesem Zusammenhang kann man § 27 III JuSchG lesen.

      Zwischenfazit: Mit dieser systematischen Erschließung von Rechtsnormen kommt man als Laie bereits sehr weit. Im Zivilrecht sind eben die Anspruchsgrundlagen Ausgangspunkt, und im Verwaltungsrecht die Befugnisnormen. À propos Verwaltungsrecht: Man kann hier gleich mit § 28 JuSchG (i.V.m. den Bestimmungen des OWiG) weitermachen, wenn man Lust hat. Meint man, ein Problem erkannt zu haben (im Sinne von, man könnte sich strafbar machen), kann man dann, in solchen Fällen, als Privatperson zum Rechtsanwalt rennen (aber wenn, dann bitte ein Fachanwalt, bestenfalls promoviert und in einer Kanzlei mit mindestens fünf Berufsträgern tätig).

      Mein Tipp also wäre es, nochmal genau zu prüfen, ob das mit ArmA 3 tatsächlich strafbar sein kann. ( ;) )

      Vom Prozessrecht will ich hier gar nicht erst anfangen. Aber ... Sollte tatsächlich mal ein Verfahren mit einem Fall, wie er von @LiquidBlaze beschrieben wurde, auf dem Tisch eines Staatsanwaltes landen, so wäre es nur drei Klicks am Computer und einer gekringelten Paraphe von einer Einstellungsverfügung entfernt.
    • II. Einzelheiten

      1. Das AGBG ist außer Kraft; die entsprechenden Regelungen sind nun in §§ 305 ff. BGB zu finden.

      2. Hinsichtlich der Idee, es mithilfe von AGB zu regeln, sei darauf hingewiesen, dass diese überhaupt erst einmal einen Vertrag voraussetzen; die überwiegende Zahl von Verträgen im Alltag werden zwar mündlich vereinbart, aber bei der hier gegenständlichen Online Partie ist der Rechtsbindungswille bei allen Beteiligten überaus fraglich (das heißt: praktisch nicht vorhanden).

      3. Wenn man annähme, es gäbe einen Vertrag, so müssten AGB wirksam einbezogen worden sein. Ich weise hierzu auf § 305 I, II BGB hin. (Praxistipp: Wird das Einbeziehen bestritten, muss der Verwender die Einbeziehung nachweisen. Viel Spaß dabei.)

      4. Hinsichtlich der Idee eines Haftungsausschlusses sei auf § 309 Nr. 7 Buchst. b) BGB hingewiesen. Jedoch normiert der gemachte Vorschlag nicht nur einen Haftungsausschluss des Verwenders, sondern auch eine Haftungspflicht der anderen Vertragspartei. Spannend wäre es, wie ein zuständiges Gericht eine solche Haftungspflicht per AGB in solchen Fällen nach § 305c I BGB beurteilen wird. ( ;) )

      5. Hinsichtlich der Vorschläge einer eindeutigen Kennzeichnung und eines kontrollierten Zugangs verweise ich auf meine obigen Ausführungen zum Verwaltungs- und Privatrecht, erinnere an den Punkt mit Anspruchs- und Befugnisnormen, und empfehle eine genaue Prüfung und Abschätzung von Risiken.

      III. Abschließend verweise ich auf meinen vorherigen Beitrag im Thread.

      Gruß, Anubis